Neuronengewitter – Bilder vom Gehirn

Das Foto der Neurowissenschaftlerin Dr. Sabrina Eichler entstand am Berliner Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin, in der Arbeitsgruppe von Jochen Meier. Der Professor für Zellphysiologie – er lehrt inzwischen an der TU Braunschweig – ist nicht nur Forscher, sondern auch ein großer Förderer der Fotografie. »Wir wollen damit unsere Wissenschaft der Öffentlichkeit näher bringen und zeigen, wie das Gehirn eigentlich aussieht.« Im folgenden Slider zeigen wir einige der schönste Bilder von Jochen Meier, weitere sind unter dasgehirn.info zu finden.

Die im Slider dargestellten Fotografien nimmt Jochen Meier im mikroskopischen Bereich mit besonders lichtempfindlichen Forschungskameras auf. Die Strukturen der Nervenzellen – sie stammen von einer Maus, deren Gehirn dem des Menschen ähnlich ist – werden in einer Kulturschale mit Antikörpern farblich sichtbar gemacht. »Es ist noch gar nicht so lange her, im 19. Jahrhundert«, so Meier, »da hat man durch bildgebenden Verfahren überhaupt erst entdeckt, dass das Gehirn aus Nervenzellen besteht und keine einheitliche Masse ist.«

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Jochen Meier ist Professor für Zellphysiologie an der Technischen Universität (TU) Braunschweig, Foto: David Ausserhofer / MDC

Erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte der Forscher Camillo Golgi, dass einzelne Neuronen mit Kaliumdichromat und Silbernitrat sichtbar gemacht werden. „Diese bahnbrechenden Experimente, für die Golgi und Santiago Ramón Y Cajal 1906 der Nobelpreis verliehen wurde, fanden notgedrungenerweise in der Küche statt – das muss man sich heutzutage mal vorstellen“, so Meier. Sie lieferten dennoch überzeugende Argumente für die noch heute gültige Neuronendoktrin.

Die weitere Entwicklung bildgebender Verfahren, der Elektronenmikroskopie oder neuer lasergestützter Verfahren, machen Strukturen bis auf den Nanometer genau sichtbar. Dadurch lässt sich heute etwa auch die räumliche Beziehung bestimmter Eiweißmoleküle untersuchen. Parallel dazu gab es weitere große Fortschritte durch die bildgebenden Verfahren der Computer- oder Magnetresonanztomographie, durch die sich Aktivitätsänderungen in bestimmten Bereichen des Gehirns anzeigen lassen.

Heute geht die Forschung von rund 86 Milliarden Neuronen im Gehirn aus, die miteinander kommunizieren müssen, damit der Mensch fühlen, handeln und denken kann. In Millisekunden finden an tausenden Zellen komplexe chemische und elektrische Prozesse statt – für eine einzige sinnvolle Handlung.

mo, erstellt 26.02.2016