Onyx – Magazin für nachhaltiges Wissen, September Ausgabe 2016, neue Diagnose für Brustkrebs

Neue Diagnose für Brustkrebs

Man muss seinen Beruf schon sehr lieben, um wie Rongxi Yang dafür jede Woche 70 bis 100 Stunden zu investieren. Für die Heidelberger Molekularbiologin, die seit zehn Jahren an der Frauenklinik der Universitätsklinik Heidelberg forscht, geht es um mehr als um Forschererfolg. Die 34-jährige gebürtige Chinesin hat einen Bluttest entwickelt, mit dem sich Brustkrebs – die häufigste Krebserkrankung bei Frauen – bereits in einem sehr frühen Stadium und eindeutiger erkennen lässt als durch die herkömmliche Mammographie. »Damit könnten 95 Prozent der Frauen überleben«, ist Yang überzeugt.

Bislang liegt die Überlebensrate bei etwas über 80 Prozent. Vor acht Jahren erkrankte Yangs Mutter an Brustkrebs. Die Tochter, damals gerade 26, schwor sich, den Kampf gegen diese Krebsform, unter der fast jede achte Frau in ihrem Leben einmal leidet, aufzunehmen. Ihre These: Wenn im Körper Krebszellen entstehen, wird dies auch im Blut sichtbar sein – womöglich noch bevor es im Gewebe zu lokalisieren ist: »In der asiatischen Denke betrachten wir die Dinge ganzheitlich. Wir gehen davon aus, dass sich eine massive Veränderung auch in anderen Bereichen des Körpers bemerkbar macht.«

Yang verglich das Blut von Frauen, bei denen Brustkrebs diagnostiziert worden war, mit dem von gesunden Frauen, um die Biomarker von Brustkrebs zu identifizieren. 1 600 Blutproben von Brustkrebspatientinnen wurden dafür analysiert. In 99 Prozent der Fälle war die Diagnose per Blutscreening korrekt, die Mammographie kommt nur auf 75 Prozent. Sie will, unterstützt und beraten von der Uniklinik, ein Start-up gründen, um den Bluttest 2019 als Labor-Kit auf den Markt zu bringen. »Unser Test ist einfach, wir benötigen nur ein paar Tropfen Blut«, sagt sie. Zudem sei er kostengünstiger, weil er ohne große Apparate und hochspezialisiertes Personal auskommt.

be, Onyx, Ausgabe September 2016